Wie ein FI/LS-Schalter (RCBO) funktioniert
Der RCBO (FI/LS-Schalter) verbindet den Fehlerstromschutz eines FI-Schalters mit dem Überstromschutz eines Leitungsschutzschalters — in einem einzigen 17,5mm breiten Modul. Er ist die praktische Wahl für Wohnungsverteiler mit begrenztem Platz.
Ein Gerät, drei Schutzfunktionen
Wenn Sie die Erklärungen zum Leitungsschutzschalter und zum FI-Schalter gelesen haben, verstehen Sie bereits 90% des RCBO. Er vereint physisch beide Mechanismen: den Summenstromwandler, der den Fehlerstrom erkennt, und das Bimetall/den Elektromagneten, der vor Überstrom schützt, die beide auf einen gemeinsamen Auslösemechanismus wirken.

Die inneren Bauteile
Betrachtet man einen RCBO im Schnitt, finden wir in seinem Gehäuse:
- Den Summenstromwandler — identisch mit dem im FI-Schalter, beide Leiter (L und N) laufen hindurch
- Das elektronische Auswerterelais — ein Verstärker, empfindlich gegenüber dem Flussungleichgewicht
- Das Bimetall — identisch mit dem im LS-Schalter, für den thermischen Schutz
- Die elektromagnetische Spule — für den unverzögerten magnetischen Schutz bei Kurzschluss
- Den gemeinsamen Auslösemechanismus — jedes Signal aus einer beliebigen Schutzfunktion öffnet denselben Kontaktsatz
- Die Lichtbogenlöschkammer — wie beim LS-Schalter
Die Miniaturisierung ist möglich, weil es den Herstellern gelungen ist, den Durchmesser des Summenstromwandlers auf unter 15mm zu verringern und dabei die Auslöseempfindlichkeit von 30mA beizubehalten.
Der FI-Teil: der Erfassungswandler
Die Funktion des Summenstromwandlers im RCBO ist identisch mit der eines eigenständigen FI-Schalters — beide Leiter (L und N) laufen durch denselben Kern, und jedes Ungleichgewicht erzeugt ein Auslösesignal.
Der LS-Teil: thermischer und magnetischer Schutz
Das Bimetall und die elektromagnetische Spule sind dieselben Bauteile wie in einem Standard-LS-Schalter. Bei Überlast biegt sich das Bimetall langsam; bei Kurzschluss löst die Spule unverzögert aus.
RCBO vs. FI + LS: wann man welchen wählt
| Kriterium | RCBO | FI + LS |
|---|---|---|
| Module (TE) | 1 Modul (17.5mm) | 3 Module (52.5mm) |
| Selektivität mit vorgeschaltetem FI | Begrenzt (herstellerabhängig) | Ausgezeichnet (FI Typ S) |
| Kosten pro Stromkreis | Höher (25–40 EUR) | Geringer: LS + FI-Anteil |
| Selektiver Austausch | Sie tauschen den ganzen RCBO | Sie tauschen nur den defekten LS |
| Kleiner Verteiler (<12 Module) | Ideal ✓ | Passt nicht |
| Neuanlage, großzügiger Platz | Akzeptabel | Empfohlen ✓ |
Die Selektivitätsgrenze — warum sie wichtig ist
Die wichtigste Einschränkung des RCBO ist die Selektivität gegenüber einem FI-Schalter am Verteilereingang. Gemäß Art. 4.1.5.2.8 der I7-2011 muss für die FI-Selektivität in Kaskade das Empfindlichkeitsverhältnis mindestens 3:1 betragen.
Das Problem: RCBOs haben einen festen Bemessungsdifferenzstrom (in der Regel 30mA). Hat der eingangsseitige FI 100mA, beträgt das Verhältnis 100/30 ≈ 3,3 — gerade noch an der Grenze. Hat der eingangsseitige FI ebenfalls 30mA (häufiger Fehler), ist Selektivität unmöglich.
Der RCBO im Wohnungsverteiler — praktischer Aufbau
Ein typischer Verteileraufbau mit RCBO:
Beispiel Verteiler für eine 3-Zimmer-Wohnung:
- → 1× FI 300mA Typ S — Hauptschutz, Verteilereingang
- → 1× LS 40A — Schutz der Hauptzuleitung
- → 1× RCBO 30mA / 16A C — Steckdosenstromkreis Wohnzimmer
- → 1× RCBO 30mA / 16A C — Steckdosenstromkreis Schlafzimmer 1
- → 1× RCBO 30mA / 16A C — Steckdosenstromkreis Schlafzimmer 2
- → 1× RCBO 30mA / 10A B — Beleuchtungsstromkreis
- → 1× RCBO 30mA / 20A C — Waschmaschinenstromkreis (eigener)
- → 1× RCBO 30mA / 20A C — Heizungsstromkreis (eigener)
Gesamt: ~8 Module = ein 12-Modul-Verteiler mit freiem Platz für Erweiterung
Normative Referenz
Die Bezugsnorm für den RCBO ist IEC 61009-1 (SR EN 61009-1 in Rumänien). Der Unterschied zur IEC 61008 (RCCB) besteht in der zusätzlichen Überlast- und Kurzschlussschutzfunktion gemäß IEC 60898-1. Die Norm I7-2011 akzeptiert den RCBO als funktionales Äquivalent der Kombination FI+LS.
ElectroSchema
Im Verteiler von ElectroSchema wird der RCBO mit Bemessungsstrom, Charakteristik (B/C/D), Differenzstromempfindlichkeit und Typ (AC/A) konfiguriert. Bei der Prüfung kontrolliert Regel V29 die FI-Selektivität in Kaskade: der Differenzstrom des vorgeschalteten FI muss mindestens 3-mal größer sein als der des nachgeschalteten (gemäß Art. 4.1.5.2.8 I7-2011). Regel V02 prüft, dass alle Steckdosenstromkreise einen Fehlerstromschutz ≤ 30mA haben.
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