Wie ein FI-Schalter (RCCB) funktioniert
Der FI-Schalter (RCCB, Residual Current Circuit Breaker) — auch RCD genannt — ist das Gerät, das Personen vor einem Stromschlag schützt. Er arbeitet nach einem völlig anderen Prinzip als ein MCB: Er erkennt die Differenz zwischen dem in den Stromkreis hinein- und herausfließenden Strom.

Das Problem, das der FI-Schalter löst
Der für einen Menschen tödliche Strom liegt bei 30–100 mA — also 0,03–0,1 Ampere. Ein 16A-MCB kann eine so winzige Differenz gegenüber dem Bemessungsstrom des Stromkreises unmöglich erkennen. Deshalb bietet ein MCB allein keinen Schutz gegen einen Stromschlag.
Laut medizinischen Daten bewirkt ein Strom, der 1 Sekunde lang durch den menschlichen Körper fließt:
| Strom | Physiologische Wirkung |
|---|---|
| 1 mA | Wahrnehmungsschwelle — leichtes Kribbeln |
| 10 mA | Muskelkontraktion — Loslassen unmöglich |
| 30 mA | Kammerflimmern möglich — Lebensgefahr |
| 100 mA | Kammerflimmern sicher — tödlich |
Quelle: IEC/TR 60479-1 — Effects of current on human beings and livestock
Das Funktionsprinzip: der Ringkern-Übertrager
Das Herzstück eines FI-Schalters ist ein Ringkern-Übertrager — ein ringförmiger Kern aus ferromagnetischem Material, durch den beide Leiter geführt werden: der Außenleiter (L) und der Neutralleiter (N).
Im Normalzustand kehrt der gesamte über den Außenleiter einfließende Strom über den Neutralleiter zurück: I_L = I_N. Die beiden Leiter erzeugen gleich große, entgegengesetzte Magnetfelder, die sich vollständig aufheben. Der resultierende Fluss im Ringkern ist null.

Tritt ein Isolationsfehler auf (oder berührt eine Person den Außenleiter), entweicht ein Teil des Stroms direkt zur Erde, ohne über den Neutralleiter zurückzukehren. Jetzt gilt I_L ≠ I_N. Die Differenz — der Fehlerstrom — erzeugt einen Magnetfluss im Ringkern, der in der Sekundärwicklung eine Spannung induziert. Diese speist ein empfindliches Relais, das den FI-Schalter mechanisch auslöst.
Die genormten Empfindlichkeiten
Die Norm I7-2011 schreibt als allgemeine Regel 30 mA-FI-Schalter für den Personenschutz an Steckdosenstromkreisen und in Bädern vor. Die Empfindlichkeit von 300 mA ist für den Brandschutz an Steigleitungen zulässig, wo eine Auslösung bei 30 mA zu empfindlich wäre.
Die Typen AC, A, F, B — warum sie wichtig sind
Nicht alle Fehlerströme sind sinusförmig. Moderne elektronische Geräte (Computer, Ladegeräte, Wechselrichter, EV-Stationen) erzeugen Ströme mit Gleichstrom- oder Hochfrequenzanteilen. Ein FI-Schalter vom Typ AC erkennt diese Stromformen nicht.
Die Prüftaste — was sie prüft und was nicht
Jeder FI-Schalter hat eine Prüftaste (T), die einen kleinen Strom direkt in das Auslöserelais einspeist und dabei den Ringkern umgeht. Sie prüft, ob der mechanische Auslösemechanismus funktioniert, prüft aber nicht:
- die Genauigkeit des Ringkernsensors (kann mit der Zeit nachlassen)
- den tatsächlichen Auslösestrom (kann bei 50mA statt 30mA auslösen)
- die Durchgängigkeit der Erdverbindung der Anlage
I7-2011 empfiehlt, mit der Taste mindestens einmal alle 6 Monate zu prüfen. Eine vollständige Prüfung (tatsächlicher Auslösestrom) erfordert ein Messgerät — ein FI-Prüfgerät.
Was ein FI-Schalter NICHT leistet
Normative Referenz
Referenznormen: IEC 61008-1 (FI-Schalter ohne Überstromschutz), IEC 62423 (Typen AC/A/F/B), IEC/TR 60479-1 (Wirkungen des Stroms auf den Menschen). Die Norm I7-2011 schreibt 30mA-FI-Schalter in Kap. 4.1.3.x für Steckdosenstromkreise, Außenanlagen und Nassräume vor.
ElectroSchema
In der Verteilung von ElectroSchema wird der FI-Schalter mit konfigurierter Empfindlichkeit und Typ auf den DIN-Schienen platziert. Die Validierungsregeln prüfen, dass alle Steckdosenstromkreise einen 30mA-FI haben (V02), dass Bäder einen 30mA-FI am Stromkreis des Nassraums besitzen (V34) und dass die Selektivität RCCB–RCBO eingehalten wird (Verhältnis ≥ 3:1 gemäß Art. 4.1.5.2.8, Regel V44).
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